Hermes Desktop einrichten: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Hermes Desktop einrichten ist schnell erledigt, und für die Grundeinrichtung brauchst du keine einzige Zeile Kommandozeile. Genau das war bisher die größte Hürde beim Hermes-Agenten. In dieser Anleitung gehe ich mit dir alle Schritte durch: Download, Installation, die Anbindung an dein ChatGPT- oder Claude-Konto, die erste Aufgabe mit eigenen Dateien und optional der Umstieg auf ein lokales Modell mit Ollama. Was der Agent grundsätzlich kann und warum er sich von Claude Code und Codex unterscheidet, liest du im Überblick zu Hermes Desktop.
Schritt 1: App herunterladen und installieren
Geh auf die Desktop-Seite von Hermes (hermes-ai.net), scroll runter zu deinem Betriebssystem und lade die passende Version herunter. Die Installation läuft wie bei jedem anderen Programm.
Beim ersten Start klickst du in der App auf Install Hermes. Die App richtet dann alles selbst ein, ohne dass du einen Befehl tippen musst. Sobald das durchgelaufen ist, startest du den Agenten mit einem Klick auf Launch Hermes.
Schritt 2: Ein Modell verbinden
Jetzt kommt die wichtigste Entscheidung: das Gehirn für deinen Agenten. Hermes Desktop läuft zwar komplett auf deinem Rechner, aber es braucht trotzdem ein KI-Modell, das den Agenten antreibt.
Der einfache Weg sind die großen Anbieter. Du meldest dich mit deinem ChatGPT-Abo an oder verbindest Anthropic. Letzteres passiert sogar automatisch, wenn Claude schon auf deinem Rechner installiert ist. Der zweite Weg sind lokale Modelle über Ollama, dazu kommen wir am Ende der Anleitung. Mein Vorschlag: Starte erstmal mit dem ChatGPT-Abo und steig später auf lokale Modelle um, falls du das brauchst.
So verbindest du dein ChatGPT-Abo:
- Klick auf den OpenAI-Login. Es öffnet sich ein Browserfenster.
- Melde dich normal mit deinem Konto an und drück auf Weiter.
- Die Seite fragt jetzt nach einem neunstelligen Code. Den zeigt dir Hermes in der App an, per Klick kopierst du ihn.
- Code einfügen, bestätigen, fertig.
Falls du dabei einen Fehler bekommst, liegt das meist an einer Einstellung in ChatGPT. Geh dort in die Einstellungen, öffne den Reiter Sicherheit und aktiviere ganz unten den Schalter "Autorisierung per Gerätecode für Codex aktivieren". Danach klappt der Login.
Zurück in Hermes drückst du auf Beginn und bist drin.
Schritt 3: Die Oberfläche kennenlernen
Die Oberfläche erinnert an andere KI-Agenten: unten die Chatleiste für deine Prompts, links deine vergangenen Chats. Die Modellauswahl versteckt sich etwas unglücklich unten rechts. Klick da einmal drauf, dann siehst du alle verbundenen Modelle, bei mir zum Beispiel Opus von Anthropic, die Modelle von GitHub Copilot und GPT 5.5 von OpenAI. Für anspruchsvollere Aufgaben stell dort auch den Aufwand auf High.
Schritt 4: Die erste Aufgabe mit eigenen Dateien
Der große Unterschied zum ChatGPT-Fenster im Browser: Hermes lebt auf deinem PC und greift direkt auf deine Dateien zu, ganz ohne Upload. Du kannst über das Plus-Symbol einen Ordner auswählen, oder du ziehst ihn einfach per Drag-and-drop in die Oberfläche. Hermes merkt sich dann nur den Pfad und holt sich die Dateien selbst von der Festplatte.
Für den Anfang empfehle ich eine mehrstufige Aufgabe mit einem Testordner. Ich habe es so formuliert: Schau dir die Umsatz-Excel im Ordner an, bau ein kleines Dashboard, gib mir eine Empfehlung fürs nächste Quartal und leg das Wichtigste als PDF ab. Hermes macht sich daraus einen Plan, arbeitet ihn ab und legt die fertigen Dateien direkt in deinen Ordner. Bei mir lagen danach ein Excel-Dashboard mit allen KPIs und eine PDF mit Empfehlungen drin.
Und jetzt kommt der Teil, der Hermes ausmacht: Nach so einer Aufgabe erstellt sich der Agent automatisch einen eigenen Skill, also eine Anleitung für genau diesen Workflow. Beim nächsten Mal tippst du nur den passenden Slash-Befehl, bei mir /excel-umsatz-dashboard, oder ziehst einfach wieder den Ordner rein. Er weiß dann schon, was zu tun ist.
Schritt 5: Zeitpläne für wiederkehrende Aufgaben
Soll eine Aufgabe regelmäßig laufen, schreibst du das schlicht in den Chat, zum Beispiel: Bitte führe diese Analyse mit dem passenden Skill jedes Quartal aus. Hermes legt daraus einen Cronjob an, also einen Zeitplan. Über den kleinen Cron-Button unten in der Leiste findest du alle wiederkehrenden Aufgaben und kannst sie pausieren, direkt starten, bearbeiten oder löschen.
Wichtig zu wissen: Diese Zeitpläne laufen nur, wenn dein Computer an ist. Steht die nächste Ausführung etwa am 1. Juli um 9 Uhr an und dein Rechner ist aus, passiert entweder nichts oder die Aufgabe startet erst beim nächsten Hochfahren. Für Automatisierungen, die zuverlässig rund um die Uhr laufen sollen, lohnt sich ein VPS, auf dem dein Hermes-Agent dauerhaft läuft.
Optional: Lokales Modell mit Ollama anbinden
Bis hierhin läuft dein Agent mit einem Cloud-Modell. Wenn du ein Setup willst, bei dem keine Daten deinen Rechner verlassen, tauschst du das Gehirn gegen ein lokales Modell aus. Dann funktioniert Hermes sogar ohne Internetverbindung.
Zuerst installierst du Ollama (ollama.com), eine App, die lokale KI-Modelle auf deinem Rechner zum Laufen bringt. Welche Modelle dein Rechner stemmen kann, hängt fast nur vom Arbeitsspeicher ab, also vom RAM beziehungsweise vom Speicher deiner Grafikkarte. Die richtig großen Open-Source-Modelle brauchst du gar nicht erst zu versuchen, dafür reicht kein normaler PC. Es gibt aber inzwischen viele kleinere Modelle, die jeden Monat besser werden und für viele Alltagsaufgaben völlig ausreichen.
Statt lange selbst zu recherchieren, kannst du dir die Modellwahl abnehmen lassen. Ich habe Claude Code beauftragt: Finde heraus, wie viel RAM ich habe, schau auf die Vergleichsseite Artificial Analysis und sag mir das intelligenteste Modell, das bei mir läuft, mit 4-Bit-Quantisierung und fertigem Ollama-Befehl. Bei meinem MacBook Pro mit 32 GB kam ein quantisiertes Qwen-Modell mit 27 Milliarden Parametern heraus, das mit Cache und Kontext etwa 20 GB Arbeitsspeicher belegt. Falls du Claude Code noch nicht kennst: Den Einstieg erkläre ich in Claude Code für Anfänger.
Kurz zur 4-Bit-Quantisierung, weil der Begriff schlimmer klingt, als er ist: Standardmäßig ist jeder Modellparameter 16 Bit groß, ein Modell mit 12 Milliarden Parametern braucht damit rund 24 GB Speicher. Quantisiert auf 4 Bit schrumpft dasselbe Modell auf etwa 6 GB, ohne wirklich schlechter zu werden.
Den Ollama-Befehl fügst du ins Terminal ein und drückst Enter. Der Download kann gut 20 Minuten dauern. Danach kannst du direkt im Ollama-Chat testen, ob das Modell antwortet.
Zum Schluss verbindest du Ollama mit Hermes:
- Öffne in Hermes die Seitenleiste und geh auf den Reiter Launch.
- Kopiere den dort angezeigten Ollama-Befehl und führe ihn im Terminal aus.
- Wähle dein heruntergeladenes Modell und bestätige mit Enter. Die Frage nach dem Messaging kannst du überspringen.
- Schließ das Terminal und wechsle zurück in die Hermes-App.
In der Modellauswahl unten rechts taucht jetzt ein eigener Ollama-Bereich auf, in dem du dein lokales Modell auswählst. Ab diesem Punkt läuft Hermes komplett auf deinem Rechner. Ich habe zum Test die Internetverbindung gekappt und eine E-Mail mit sensiblen Projektdaten umschreiben lassen. Es hat funktioniert, auch wenn mein Laptop dabei kurz schnaufen musste.
Mein Rat für den Start
Die Einrichtung selbst ist wirklich einfach, und mit einem Cloud-Modell bekommst du sofort einen starken Assistenten. Bei den lokalen Modellen musst du dagegen Abstriche machen: Meinen kompletten Excel-Workflow hat das lokale Modell trotz Skill noch nicht hinbekommen, einfachere Aufgaben wie das Umschreiben von Texten dagegen schon. Richte Hermes deshalb erstmal mit deinem ChatGPT-Abo ein, arbeite ein paar Wochen damit und steig auf ein lokales Modell um, sobald du datensensible Aufgaben hast. Wenn du Hermes lieber klassisch ohne Desktop-App nutzen willst, zeigt dir die Hermes AI Anleitung den Weg über die Kommandozeile.