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Hermes Desktop im Überblick: Das kann der lokale KI-Agent

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Hermes Desktop gibt dem Open-Source-KI-Agenten Hermes endlich eine richtige Benutzeroberfläche. Bisher konntest du mit Hermes nur über die Kommandozeile oder Telegram chatten, und das hat viele Leute direkt abgeschreckt. Die Desktop-App ändert das. Sie macht einen der spannendsten Open-Source-Agenten so zugänglich wie ChatGPT, samt der Funktionen, die Hermes von Claude Code und Codex unterscheiden: ein eingebautes Lernsystem und der Betrieb mit lokalen Modellen, theoretisch sogar ganz ohne Internet.

Was ist Hermes Desktop?

Hermes ist ein Open-Source-KI-Agent, den du theoretisch komplett auf deiner eigenen Infrastruktur laufen lassen kannst. Was den Agenten selbst ausmacht, habe ich in Was ist Hermes AI genauer beschrieben. Hermes Desktop ist die neue App dazu: Du installierst sie wie jedes andere Programm und bekommst statt kryptischer Terminal-Befehle eine Oberfläche mit Chatleiste, Gesprächsverlauf und Modellauswahl.

Ein Detail solltest du dabei verstehen: Hermes selbst ist nur der Agent, also die Logik drumherum. Das eigentliche Denken übernimmt ein KI-Modell, das du frei wählst. Du kannst dein ChatGPT-Abo anbinden, Anthropic-Modelle wie Opus nutzen, und auch die Modelle von GitHub Copilot tauchen in der Auswahl auf. Oder du lässt über Ollama ein lokales Modell auf deinem eigenen Rechner laufen. Du bist also nicht an einen Anbieter gebunden, sondern entscheidest pro Aufgabe, welches Gehirn dein Agent bekommt.

Das Lernsystem: zwei Dateien, die mit dir wachsen

Das Versprechen von Hermes ist, dass der Agent mit jedem Gespräch besser wird. Technisch läuft das erstaunlich simpel: Hermes speichert sein ganzes Wissen über dich in nur zwei Dateien mit fester Größe. Die hält er selbst aktuell. Neue Informationen kommen rein, altes und unnützes Wissen fliegt raus. So versteht der Agent mit der Zeit ziemlich genau, wer du bist und was deine Ziele sind.

Der Punkt, der mich dabei am meisten überzeugt: Dieses Wissen liegt nicht bei einem US-Anbieter in der Cloud, sondern lokal auf deinem Rechner, im Agenten selbst.

Skills: Anleitungen, die sich der Agent selbst schreibt

Lass dich vom Begriff nicht abschrecken. Skills sind einfach Anleitungen für die KI. Hermes bringt einige davon schon mit, etwa für die Arbeit mit Excel, für PowerPoint-Präsentationen oder für PDF-Scans. Der Agent aktiviert sie von selbst: Schreibst du "Erstelle eine PowerPoint", lädt Hermes automatisch den passenden Skill. Du kannst Skills auch manuell starten, indem du einen Slash-Befehl wie /powerpoint eintippst und mit Tab bestätigst.

Richtig interessant wird es, weil Hermes sich eigene Skills erstellt. Gibst du ihm eine komplexe Aufgabe, schreibt er sich danach automatisch eine Anleitung, mit der er dieselbe Aufgabe beim nächsten Mal schneller und besser erledigt. Das ist das Lernprinzip in der Praxis, und es lohnt sich besonders bei Workflows, die regelmäßig wiederkommen.

Ein vorinstallierter Skill, den ich sehr mag, ist der Humanizer. Er nimmt typische KI-Phrasen aus Texten raus. Ich habe ihm einen absichtlich schlimmen Text gegeben, mit Sätzen wie "Das ist nicht einfach nur ein weiteres Tool, es ist ein Wendepunkt". Nach dem Durchlauf waren die Emojis weg, die aufgeblasenen Formulierungen auch, und der Text las sich deutlich angenehmer.

Ein Prompt, ein fertiges Dashboard

Weil Hermes Desktop direkt auf deinem PC lebt, muss er Dateien nicht hochladen. Du ziehst einfach einen Ordner in die Oberfläche, und der Agent merkt sich nur den Pfad. Die Dateien liest er direkt von deiner Festplatte.

Ich habe das mit einem Testordner ausprobiert: eine Excel mit ausgedachten Umsatzzahlen, ein Meeting-Transkript und ein PowerPoint-Briefing. Meine Aufgabe an Hermes: Schau dir die Umsatz-Excel an, bau ein kleines Dashboard, gib mir eine Empfehlung fürs nächste Quartal und leg das Wichtigste als PDF ab. Nebenbei habe ich erwähnt, dass das Basispaket mein Sorgenkind ist.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Hermes hat ein Excel-Dashboard mit allen KPIs gebaut, also Gesamtumsatz gegen Plan, Jahreswachstum, verkaufte Einheiten und Umsatz pro Einheit, dazu Auswertungen nach Produkten und Regionen. Obendrauf gab es eine PDF mit einer konkreten Empfehlung fürs nächste Quartal. Wobei ich fair bleiben muss: Die Qualität der Analyse ist vor allem der Verdienst des starken Modells dahinter, in meinem Fall GPT-5.5.

Spannender ist, was danach passiert ist. Hermes hat sich gemerkt, dass das Basispaket mein Sorgenkind ist, und wird in künftigen Gesprächen über die Umsatzzahlen von selbst darauf eingehen. Und er hat sich ungefragt einen Skill namens Excel-Umsatz-Dashboard erstellt. Beim nächsten Quartalsbericht reicht es also, den Ordner in den Chat zu ziehen. Den Rest kennt er schon.

Zeitpläne: Aufgaben laufen von selbst

Wiederkehrende Aufgaben gibst du Hermes einfach im Chat. Ich habe geschrieben: Bitte führe diese Analyse mit dem passenden Skill jedes Quartal aus. Hermes hat daraus einen Cronjob angelegt, das ist schlicht der Fachbegriff für einen Zeitplan. Über den Cron-Button unten in der Leiste siehst du alle deine Zeitpläne und kannst sie pausieren, sofort starten, bearbeiten oder löschen.

Eine Einschränkung gilt für alle lokalen KI-Agenten: Die Zeitpläne laufen nur, wenn dein Rechner an ist. Ist der Computer zum geplanten Zeitpunkt aus, startet der Workflow gar nicht oder erst beim nächsten Hochfahren. Wer Automatisierungen wirklich rund um die Uhr braucht, sollte Hermes auf einem VPS laufen lassen.

Cloud-Modell oder komplett lokal?

Für den Start empfehle ich den bequemen Weg: Du verbindest dein ChatGPT-Abo oder Anthropic und bekommst sofort starke Modelle. Wer ein wirklich datenschutzkonformes Setup will, bindet über Ollama ein lokales Modell an. Dann kannst du das Internet komplett ausschalten und der Agent läuft trotzdem weiter. Keine Daten verlassen deinen Rechner.

Hermes Desktop lässt sich mit Cloud-Modellen oder mit lokalen Modellen über Ollama betreibenHermes DesktopKI-Agent als App auf deinem RechnerCloud-ModelleChatGPT-Abo, Anthropic, GitHub CopilotStärkste Leistung für komplexe AufgabenBraucht Internet und ein KontoLokale ModelleÜber Ollama, z. B. quantisiertes QwenLäuft ohne InternetverbindungKeine Daten verlassen den Rechner

Ich muss dabei ehrlich sein: Lokale Modelle sind von der Leistung noch nicht da, wo die großen Cloud-Modelle sind. Das Umschreiben einer sensiblen E-Mail hat mein lokales Qwen-Modell komplett offline geschafft, wenn auch mit ziemlich rabiaten Kürzungen. Am kompletten Excel-Workflow ist es trotz Skill gescheitert. Ich gehe davon aus, dass sich das in absehbarer Zeit ändert, aber Stand jetzt gehört diese Einschränkung zur Wahrheit dazu.

Für wen lohnt sich Hermes Desktop?

Hermes Desktop lohnt sich für alle, die sich von US-Anbietern unabhängig machen wollen, die eine eigene lokale Wissensbasis aufbauen möchten oder denen Privatsphäre generell wichtig ist. Auch als persönlicher Assistent für wiederkehrende Büro-Workflows macht der Agent eine gute Figur, gerade wegen der selbst erstellten Skills. Wenn du loslegen willst: In Hermes Desktop einrichten führe ich dich Schritt für Schritt durch Installation, Modellanbindung und die erste Aufgabe. Und falls du wissen willst, wie sich der Agent gegen den Platzhirsch von Anthropic schlägt, findest du die Grundlagen dazu in Was ist Claude Code.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.