Claude in Chrome: So bedient Claude deinen Browser für dich
Claude in Chrome ist für mich die am meisten unterschätzte Funktion in Claude. Mit der Erweiterung bedient Claude deinen eigenen Chrome-Browser: Claude öffnet Seiten, sucht und klickt sich durch, und das in allen Web-Apps, in denen du ohnehin schon eingeloggt bist. Damit erledigt Claude bei mir inzwischen Aufgaben, die ich früher stundenweise selbst gemacht habe.
In diesem Artikel geht es darum, warum die Erweiterung so viel bringt, wie du sie einrichtest und wie du sie sinnvoll einschränkst.
Warum Konnektoren allein nicht reichen
Claude kann sich über Konnektoren mit anderen Apps verbinden, etwa mit Gmail oder Notion. Wie das geht, steht in Claude Konnektoren einrichten. Das Problem: Zur Auswahl stehen nur Apps, die Anthropic freigegeben hat. Das sind überwiegend amerikanische Dienste und eher selten die Programme, mit denen wir in Deutschland jeden Tag arbeiten.
Genau hier setzt Claude in Chrome an. Claude braucht keinen eigenen Konnektor mehr, sondern nutzt einfach den Weg, den du selbst auch nimmst, nämlich den Browser. Damit kommt Claude an praktisch jede Web-App, die du nutzt.
Eine Einschränkung gibt es: Das funktioniert nur mit der Desktop-App von Claude. Wenn du Claude im Browser unter claude.ai nutzt, kann Claude deinen Browser nicht steuern.
Einrichtung in zwei Schritten
Als Erstes installierst du die Claude-Erweiterung aus dem Chrome Web Store in deinem Chrome-Browser.
Danach öffnest du in der Claude Desktop-App die Einstellungen. Ganz unten gibt es den Reiter Claude in Chrome, dort aktivierst du die Funktion. Wenn alles geklappt hat, taucht Claude in Chrome im Chatfenster unter dem Plus bei den Konnektoren auf.
Zum Testen habe ich Claude gebeten, fünf passende IKEA-Regale für mein Office zu finden und sie direkt auf der IKEA-Website in den Warenkorb zu legen. Claude hat selbst einen neuen Tab geöffnet, nach Regalen gesucht und sie nacheinander in den Warenkorb gelegt. Ein einfaches Beispiel, aber es zeigt das Prinzip gut.
Wofür ich Claude in Chrome nutze
Das größte Beispiel ist meine Buchhaltung, die macht Claude inzwischen weitgehend selbst. Früher habe ich Stunden damit verbracht, in Lexware einzelne Belege den Buchungen zuzuordnen. Heute loggt sich Claude über den Browser in Lexware ein, schaut nach, welche Belege fehlen, und holt sie sich direkt von den Websites der jeweiligen Anbieter. Auch mein Steuerberater hat ein eigenes System, in das Claude sich auf demselben Weg einloggen kann.
Ein kleineres Beispiel aus den letzten Wochen: Ich wollte wissen, wann die IKEA-Möbel für mein neues Office geliefert werden und ob sich ein bestellter Schrank noch stornieren lässt. Claude hat die Sendungsnummer aus meinen Unterlagen herausgesucht, sich über den Browser in meinen IKEA-Account eingeloggt und dort nachgeschaut, ob die Stornierung noch möglich ist. Ohne die Erweiterung hätte Claude an dieser Stelle nur sagen können, dass es keinen Zugriff hat. Ich hätte mich dann selbst einloggen, die Bestellung suchen und mich durch die Menüs klicken müssen.
Außerdem lasse ich mir damit Flüge und Hotels heraussuchen und buchen. Du kannst Claude durch Formulare klicken lassen oder deine eigenen Websites testen. Viele Grenzen gibt es da nicht.
Richtig stark wird die Erweiterung zusammen mit einem Second Brain. Das Second Brain liefert das Wissen über deine Arbeit, Claude in Chrome den Zugang zu deinen Programmen. Mit beidem zusammen bleibt nur noch wenig übrig, was Claude nicht übernehmen kann. Das funktioniert übrigens nicht nur mit Claude, sondern genauso mit ChatGPT oder Hermes. Die ChatGPT-Variante beschreibe ich in ChatGPT Chrome-Erweiterung, zum Second Brain gibt es Was ist ein Second Brain?.
Eigener Browser oder integrierter Browser?
Neuere KI-Agenten bringen mittlerweile einen eigenen Browser mit, auch in der Claude-App gibt es einen integrierten. Technisch ist das sehr ähnlich zu dem, was die Chrome-Erweiterung macht.
Ich nutze trotzdem lieber meinen eigenen Browser. Dort bin ich in allen Programmen schon eingeloggt, und Claude arbeitet einfach in diesen angemeldeten Sitzungen. Dadurch bekommt Claude keine Passwörter zu sehen, und ich muss mich nicht noch einmal irgendwo anmelden.
Seiten sperren oder nur bestimmte erlauben
IKEA-Bestellungen, Belege sammeln, Reisen buchen: Da ist das Datenschutzrisiko überschaubar. Wenn du regelmäßig in Apps mit sensiblen Daten arbeitest, gelten aber dieselben Regeln wie im normalen Claude-Chat, und dort sollte Claude keinen Zugriff haben.
Dafür gibt es in den Einstellungen unter Claude in Chrome eine Liste für blockierte Seiten. Über "Websites hinzufügen" trägst du alles ein, was Claude auf keinen Fall öffnen darf.
Du kannst auch umgekehrt vorgehen und den Standard so umstellen, dass alle Seiten blockiert sind. Dann fügst du nur die Websites als erlaubt hinzu, auf denen Claude arbeiten soll. Das bietet sich an, wenn du die Erweiterung nur für ein paar bestimmte Aufgaben nutzen willst. Für Workflows mit wirklich sensiblen Daten gibt es bessere Wege, die ich in Sensible Daten mit KI verarbeiten beschreibe.
So fängst du an
Such dir für den Einstieg eine Browser-Aufgabe, die dich regelmäßig nervt und bei der wenig schiefgehen kann. Ein Preisvergleich, Rechnungen aus einem Kundenkonto herunterladen, ein Formular, das du jede Woche gleich ausfüllst. Gib Claude die Aufgabe, schau beim ersten Mal zu und korrigiere, wo es hakt.
Läuft das zuverlässig, kannst du daraus eine geplante Aufgabe machen. Wie das zusammen mit Second Brain, Konnektoren und der richtigen Modellwahl aussieht, zeige ich in Claude Workflow.