Jonas Keil
KI-Kompass →
Jonas Keil
KI-Kompass →
← Alle Artikel
Jonas Keil Jonas Keil 5 Min. Lesezeit

KI-Werbespot erstellen mit Claude: Kosten, Ablauf, Grenzen

Einen KI-Werbespot erstellen, der aussieht wie richtige Fernsehwerbung, war vor kurzem noch Agenturarbeit. Mit Claude Code und Seedance 2.5 geht das inzwischen aus einem einzigen Prompt. Ich habe das mit einem 30-Sekunden-Spot für einen Bürostuhl getestet, einmal mit gezeichneten Figuren und einmal mit realistischen Szenen. In diesem Artikel geht es um die Praxis: wie der Ablauf aussieht, was so ein Spot kostet und wo die Grenzen liegen.

Die Grundlagen, also Claude Code einrichten und Higgsfield verbinden, stehen in der Anleitung Claude Videos erstellen. Hier steige ich direkt beim Spot ein.

Der Prompt für einen realistischen Spot

Für die realistische Variante habe ich Claude Code mit verbundenem Higgsfield ungefähr Folgendes geschrieben: Erstelle einen Werbespot von etwa 30 Sekunden für den Bürostuhl ON von Wilkhahn, wie eine richtig gute Fernsehwerbung. Mach zuerst für jede Szene ein sehr hochwertiges Standbild über Higgsfield. Danach animierst du jede Szene mit Seedance 2.5 auf 4K und schneidest alles mit Schrift, Logo und Ton zusammen.

Der Prompt gibt Claude also eine feste Reihenfolge vor, und auf die kommt es an.

So läuft die Produktion ab

Ablauf eines KI-Werbespots: Charaktere anlegen, Standbilder pro Szene, Clips mit Seedance 2.5, Stimme und Ton, Schnitt mit Schrift per CodeCharaktereeinmal anlegen›Standbildereins pro Szene›Seedance 2.5Clip pro Bild›TonStimme, Musik›SchnittSchrift per Code

Claude legt in Higgsfield zuerst die Charaktere an. Daraus erstellt es für jede Szene ein Standbild. Das ist wichtig, damit die Szenen am Ende zusammenpassen und die Person in Szene drei noch dieselbe ist wie in Szene eins.

Danach wird aus jedem Standbild mit Seedance 2.5 ein Clip von ein paar Sekunden. Stimme und Ton kommen ebenfalls über Higgsfield. Zum Schluss schneidet Claude alles im Chat zusammen. Die Videoclips stammen komplett von Seedance, die Schrift und ein paar kleinere Animationen hat Claude aber selbstständig per Code darübergelegt. Das ist sinnvoll, weil Video-KIs mit Schrift im Bild immer noch nicht zuverlässig sind.

Warum einzelne Clips besser sind als ein Durchlauf

Du könntest dir die 30 Sekunden auch am Stück generieren lassen. Ich finde den Weg über einzelne Clips aber deutlich praktischer. Gefällt dir eine Szene nicht, tauschst du nur diesen Clip aus, und der Rest bleibt stehen. Bei einem durchgenerierten Video müsstest du für jede Kleinigkeit alles neu erzeugen und neu bezahlen.

Wer tiefer in Seedance einsteigen will, findet praktische Lehren in meinen Seedance 2.5 Tipps.

Die günstige Variante mit gezeichneten Figuren

Bevor ich den realistischen Spot gebaut habe, gab es denselben Stuhl schon als Spot mit gezeichneten Figuren. Da bleibt der Schnitt Code, und Claude holt sich nur die Einzelteile über Higgsfield. Für jede Figur und jeden Gegenstand erstellt es ein eigenes Bild mit GPT Image 2.5, und zwar direkt ohne Hintergrund, damit es die Teile frei animieren kann. Den Stuhl hat Claude nach dem echten Produktfoto gebaut.

Den Sprechertext schreibt Claude selbst, eingesprochen wird er von einer ElevenLabs-Stimme, die ebenfalls über Higgsfield läuft. Danach misst Claude, wann welches Wort fällt. Deshalb sitzen Bild und Stimme im fertigen Spot genau aufeinander. Musik und Soundeffekte kommen dazu, und erst am Ende setzt Claude alles per Code zusammen. Die Geschichte über Thomas, der früher jeden Morgen zehn Kilometer gelaufen ist und heute acht Stunden am Tag sitzt, war für einen ersten Versuch richtig ordentlich.

Was ein KI-Werbespot kostet

Der Spot mit gezeichneten Figuren, bei dem Claude nur Bilder, Stimme und Musik über Higgsfield holt und den Rest per Code baut, hat 26,45 Credits verbraucht. In meinem Plan sind das etwa 87 Cent.

Der realistische Spot mit Seedance 2.5 hat rund 500 Credits gekostet. In meinem Ultra-Plan entspricht das etwa 16 Euro. Fast alles davon geht auf die Videoclips. Bilder, Stimme und der Schnitt durch Claude fallen im Vergleich kaum ins Gewicht.

Dazu kommt in beiden Fällen Claudes eigenes Nutzungslimit. Mit Opus 5.5 ohne Max-Modus hält sich das im Rahmen. Im 20-Euro-Plan schaffst du in einem Fünf-Stunden-Fenster wahrscheinlich zwei, drei Spots der günstigeren Sorte.

Zum Vergleich: Bei einer Agentur oder einem Motion Designer lagen solche Videos bisher oft bei mehreren tausend Euro. Und du hast zusätzlich Zeit für Briefing, ersten Entwurf und Feedbackschleifen eingeplant.

Die Grenzen, die du kennen solltest

Die meisten Grenzen liegen ganz klar in der realistischen Stufe. Die Video-KI liefert dir nicht jedes Mal sofort genau das, was du willst. Alle Spots aus meinem Test hat Claude in einem Durchgang erstellt, ohne dass ich nachgebessert habe. Brauchst du aber eine bestimmte Bewegung oder ein Detail, sind oft mehrere Versuche nötig. Und jeder Versuch kostet Geld.

Bei echten Produkten solltest du genau hinschauen. Prüf, ob der Stuhl, die Flasche oder was auch immer du zeigst, im fertigen Video wirklich so aussieht wie das Original. Im gezeichneten Spot hat Claude den Stuhl nach dem echten Produktfoto erstellt. Das hilft, ersetzt den Abgleich aber nicht.

Für UGC und Inhalte, die bewusst authentisch wirken sollen, würde ich diese Modelle nur unterstützend einsetzen. So halte ich es auch selbst: Motion Graphics lasse ich mir bauen, mich selbst ersetze ich nicht durch eine KI.

Wofür sich das im Job lohnt

Für viele wird das erst einmal eine Spielerei sein. Für manche spart es aber richtig Zeit und Geld. Eine Präsentation, die mit einem kurzen Video startet statt mit der ersten Folie. Eine Schulung zu einem neuen Ablauf im Team, die bisher keiner bauen wollte. Ein Produkt, für das nie Budget für ein professionelles Video da war.

Ich glaube, solche Videos werden bald so selbstverständlich sein wie heute eine Präsentation. Wenn das jeder kann, zählt umso mehr, was du eigentlich zu sagen hast. Wenn du den Einstieg ohne Videomodell suchst, lies zuerst Motion Graphics mit Claude Code. Meinen Prompt mit 15 Videostilen, der dir auch die passende Stufe und die Kosten vorschlägt, gibt es im Download-Hub.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.