Jonas Keil
KI-Kompass →
Jonas Keil
KI-Kompass →
← Alle Artikel
Jonas Keil Jonas Keil 6 Min. Lesezeit

Seedance 2.5 mit Blender: KI-Videos per Vorlage steuern

Seedance 2.5 mit Blender: KI-Videos per Vorlage steuern – YouTube Video

Wenn du schon mal ein KI-Video generiert hast, kennst du das: Du hast eine genaue Szene im Kopf, klickst auf Generieren, und raus kommt etwas ganz anderes. Mit Seedance 2.5 und Blender drehst du das um. Du baust dir vorher in Blender eine einfache Vorlage, in der Kamerafahrt, Bewegung und Proportionen schon feststehen, und das Videomodell macht daraus das fertige Video. Das Schöne daran: Die Vorlage musst du nicht selbst bauen. Das übernimmt ein KI-Agent wie ChatGPT für dich.

In dieser Anleitung gehen wir den Workflow in vier Schritten durch, vom Einrichten bis zur Autofahrt in drei verschiedenen Stilen. Wenn du erst verstehen willst, warum das Ganze überhaupt funktioniert, lies vorher Blocking für KI-Videos.

Workflow: ChatGPT baut in Blender eine Vorlage, Blender exportiert sie als MP4, Seedance 2.5 erstellt daraus das fertige VideoChatGPT / Claudesteuert Blender per MCPBlender-VorlageKamera, Bewegung, MP4Seedance 2.5fertiges Video + Stil

Schritt 1: Die vier Bausteine einrichten

Du brauchst insgesamt vier Dinge.

Erstens Blender. Das ist eine Open-Source-Grafiksoftware, mit der du Dinge modellieren und animieren kannst, und sie ist komplett kostenlos. Du lädst sie auf blender.org unter "Download" für dein Betriebssystem herunter. Wenn du ChatGPT Work nutzt, kannst du ihm auch einfach schreiben "Bitte installiere Blender für mich", dann erledigt er das selbst.

Zweitens einen KI-Agenten, der Blender für dich bedient. Das kann ChatGPT sein, Claude funktioniert genauso. Ich arbeite hier in ChatGPT Work mit dem Modell GPT-6 Astra, das sehr effizient mit Blender umgeht. Die anderen GPT-Modelle gehen aber auch. Ich empfehle dir mindestens den Plus-Plan, weil du sonst schnell ans Nutzungslimit stößt. Ein Muss ist das nicht, du hast damit einfach mehr Kontingent und bessere Modelle.

Drittens den Blender MCP Server. ChatGPT kann Blender zwar auch ohne dieses Plugin bedienen, mit ihm klappt das aber deutlich besser. Zum Installieren kopierst du dir die URL der GitHub-Seite (github.com/ahujasid/mcp-for-blender), gehst zu ChatGPT und schreibst: "Bitte installiere Blender MCP für mich und richte das Ganze ein." Den Rest macht er allein. Prüf danach nur einmal in Blender unter Edit, Preferences und dem Punkt Add-ons, dass der Haken beim MCP-Add-on gesetzt ist.

Viertens ein Videomodell. Hier nutze ich Seedance 2.5, weil es aktuell das stärkste Modell ist und Videos mit bis zu 30 Sekunden am Stück erstellt. Als Plattform verwende ich Higgsfield, genauer das Cinema Studio. Wie Higgsfield grundsätzlich funktioniert, steht in der Higgsfield AI Anleitung.

Schritt 2: Das Prinzip an einem Würfel testen

Bevor du dich an eine aufwendige Szene machst, probier das Prinzip an etwas ganz Einfachem aus. Ich habe ChatGPT Work geschrieben: "Bitte erstelle mir eine 8-Sekunden-Blender-Animation, bei der ein Block in der Mitte steht und die Kamera komplett zufällig um diesen Block herumfährt."

Etwa drei Minuten später war die Animation fertig. Ein Würfel in der Mitte, eine Kamera, die wild drumherum fährt. Danach habe ich nur noch geschrieben "Passt, bitte erstelle daraus jetzt ein MP4-Video", und ChatGPT hat die Animation exportiert. Die MP4-Datei lädst du dir herunter.

Jetzt kommt der eigentliche Trick. Im Cinema Studio von Higgsfield ziehst du das Blender-Video in die Oberfläche. Dazu lädst du Referenzbilder deines Objekts hoch. Ich hatte mir drei Ansichten eines Drachen generieren lassen: von vorne, den Kopf und von der Seite. Der Prompt war dann ganz kurz:

"Ersetze den Würfel in Video 1 exakt durch den Drachen in den Bildern 1, 2, 3."

Die Einstellungen: Seedance 2.5 als Modell, Seitenverhältnis 16:9, 1080p, 8 Sekunden (genau die Länge des Blender-Clips) und Ton aus. Nach rund zwei Minuten kam das Video zurück, und der Drache hat exakt die Bewegung vom Würfel übernommen. Das funktioniert mit jedem anderen Objekt genauso, zum Beispiel auch mit einer Lego-Figur.

Schritt 3: Eine echte Szene bauen, mit Box statt Drache

Meine Idee für den ersten richtigen Clip: Der Drache fliegt aus einer Höhle durch einen Wasserfall, schüttelt sich das Wasser ab und speit dann Feuer in die Kamera. So eine Szene kannst du mit einem Prompt nie so genau beschreiben, wie du sie im Kopf hast. Deshalb kommt zuerst die Vorlage.

Mein erster Prompt an ChatGPT war ehrlich gesagt zu schlicht: "Bitte erstelle eine Szene in Blender, in der ein Drache durch einen Wasserfall fliegt, sich schüttelt und dann Feuer speit." Die Kamerafahrt war gut, inklusive dem Flug durch den Wasserfall. Der Drache selbst bewegte sich aber steif und unnatürlich, und das fertige Video hat genau diese steifen Bewegungen übernommen.

Das Problem war nicht die Kamera, sondern der Detailgrad. Seedance hat versucht, den Blender-Drachen eins zu eins zu animieren. Auch ein vereinfachter Drache hat noch nicht gereicht, man sah es an den Füßen und an den Flügelschlägen. Am besten funktioniert hat schließlich die Version, in der ich den Drachen komplett durch eine Box ersetzt habe. Gleiche Kamerafahrt, gleiche Bewegung, nur eben eine Box. Das Ergebnis: Der Drache bewegt sich natürlich und folgt trotzdem exakt der Bahn aus Blender.

Die Faustregel daraus: In Blender legst du Kameraführung, Bewegung und Proportionen fest, aber nicht die Form der Objekte. Die liefern deine Referenzbilder. Mehr Lehren aus diesen Versuchen findest du in den Seedance 2.5 Tipps.

Damit dein Agent die Vorlagen gleich richtig baut, gibt es zwei Hilfen. Ich habe mir eine agents.md als Systemprompt geschrieben, die du samt Anleitung kostenlos im Download-Bereich bekommst. Außerdem hat Higgsfield ein kostenloses Blender-Plugin. Du findest es auf Higgsfield unter dem Reiter "Plugins" und dann "Blender". Die ZIP-Datei ziehst du in die Blender-Oberfläche, bestätigst mit OK und meldest dich mit deinem Higgsfield-Account an. In ChatGPT öffnest du die Seitenleiste, gehst auf "Plugins", suchst nach Higgsfield, klickst aufs Plus und meldest dich auch dort an. In einem neuen Chat gibst du dann "@Higgsfield /use-blender" ein. Damit ist die Verbindung da, und ChatGPT bekommt die Higgsfield-Skills, die ihm erklären, wie er die Vorlagen sauber erstellt.

Schritt 4: Eine Autofahrt in mehreren Stilen

Zum Schluss wollte ich wissen, wie weit der Workflow trägt. Mit GPT-6 Astra habe ich in Blender eine komplette Landschaft vorbereitet: eine Straße mit Laternen und Geländer, Berge im Hintergrund und eine Stadt, aus der das Auto herausfährt. Dazu mehrere Kameras, die mit dem Auto mitwandern und es aus verschiedenen Winkeln aufnehmen. Das Ganze wurde als Blender-Video exportiert.

Zusätzlich hatte ich Assets: mich als Fahrer, eine Beifahrerin, die Umgebung und das Auto. Diese Assets habe ich zusammen mit dem Blender-Video in ChatGPT Work hochgeladen und geschrieben: "Erstelle bitte einen Prompt für Seedance 2.5, der dieses Video Sekunde für Sekunde darstellt."

Währenddessen bereitest du im Cinema Studio alles vor. Du lädst die Assets und die Blender-Referenz hoch, wählst Seedance 2.5 und 16:9. Bei der Auflösung kannst du bis 1080p gehen, für den ersten Versuch rate ich dir aber zu 480p. Wichtig ist, dass die Länge exakt der Länge des Blender-Videos entspricht, hier volle 30 Sekunden. Den Ton habe ich diesmal angeschaltet. Dann fügst du den Prompt von ChatGPT ein. Die Verknüpfungen zu den hochgeladenen Bildern musst du eventuell neu setzen, weil ChatGPT die vorher nicht kennen kann.

Nach etwa fünf Minuten war das Video fertig, und es folgte genau den Bewegungen aus Blender. Diesmal habe ich übrigens bewusst keine Box für das Auto genommen, weil einige Shots sehr speziell waren, etwa der Zoom auf das Rad. Das wäre mit einem Block kaum darstellbar gewesen.

Der eigentliche Gewinn kommt danach. Dieselbe Vorlage kannst du auf ganz andere Stile übertragen. Ich habe aus der gleichen Blender-Animation insgesamt drei Versionen gemacht, darunter eine Lego-Version und eine Comic-Version. Beide haben in meinen Augen super funktioniert. Einmal sauber vorbereitet, bekommst du also beliebig viele Varianten, ohne die Bewegung jedes Mal neu dem Zufall zu überlassen.

Wenn du lieber ganz ohne Oberfläche arbeitest: Wie du Higgsfield direkt per MCP an Claude anbindest, zeige ich in Higgsfield mit Claude verbinden.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.