Second Brain erstellen: In 5 Schritten mit Claude Code
Ein Second Brain erstellen dauert etwa 10 bis 15 Minuten, und danach weiß deine KI endlich, wer du bist und woran du gerade arbeitest. Der Unterschied ist größer, als er klingt. Wenn du Claude ohne diesen Kontext bittest, dir eine Urlaubsübergabe für deine laufenden Projekte zu schreiben, bekommst du eine Absage, weil schlicht die Informationen fehlen. Mit einem verbundenen Second Brain kommt der fertige Bericht samt aller Fristen zurück. In dieser Anleitung gehe ich mit dir die fünf Schritte durch, mit denen du dir dein eigenes zweites Gehirn aufbaust. Falls du erst noch wissen willst, worum es überhaupt geht, lies vorher Was ist ein Second Brain?.
Was du dafür brauchst
Die Voraussetzung ist ein KI-Agent, der auf Dateien auf deinem Rechner zugreifen darf. Ich arbeite hier mit Claude Code beziehungsweise Claude Cowork. Dafür brauchst du einen Claude-Pro-Account, der Stand jetzt 18 Euro im Monat kostet, und die Claude-App auf deinem Rechner. Wenn dir OpenAI lieber ist, funktioniert das Gleiche mit ChatGPT oder Codex, dann allerdings mit der ChatGPT-Desktop-App. Über den Browser allein geht es nicht, weil die KI dann nicht an deine lokalen Dateien kommt.
Mein Tipp vorweg: Mach es dir am Anfang nicht zu kompliziert. Wenn dir beim Lesen Ideen kommen, wie man das Ganze noch erweitern könnte, schreib sie erstmal nur auf. Dein Ziel für heute ist ein kleines Second Brain, das überhaupt läuft.
Schritt 1: Den Ordner anlegen
Das klingt banal, ist aber wirklich schon der erste Schritt. Such dir einen Ort, an dem du den Ordner gut wiederfindest, bei mir ist das der Dokumente-Ordner. Leg dort einen neuen Ordner an und nenne ihn "Second Brain". Mehr passiert hier noch nicht. Du hast jetzt einen leeren Ordner, und genau der wird gleich dein zweites Gehirn.
Schritt 2: Die Struktur festlegen
Theoretisch könntest du jetzt einfach alle Dateien, die du hast, in diesen Ordner werfen. Das würde vielleicht sogar irgendwie funktionieren, aber die KI hätte keine Struktur, die Dateien wären genauso schwer zu finden wie vorher, und dein Ergebnis wäre kaum besser als ganz ohne Second Brain.
Deshalb halten wir uns an eine bekannte Struktur, die der KI-Forscher Andrej Karpathy unter dem Namen LLM Wiki veröffentlicht hat. Darin stecken drei Ideen, die du übernehmen solltest.
Die erste ist die Trennung in einen Roh-Teil und einen Wiki-Teil. Im Ordner "raw" liegen deine Originaldateien und Notizen, zum Beispiel die Notiz zu einem Rahmenvertrag. Diese Rohdateien verändert die KI nicht mehr, sie dienen nur noch als Referenz zum Nachschlagen. Das eigentliche Wissen entsteht im Wiki-Ordner, wo die KI die Rohdateien für dich zusammenfasst. Dort steht dann in einer sauberen Datei alles, was zu einem Kunden zusammengetragen werden konnte.
Dazu kommt, dass du dir die Pflege nicht selbst aufhalst. Claude Code ist der Bibliothekar für dein Wiki, also der, der neues Wissen einpflegt, die Rohnotizen zusammenträgt und die Erkenntnisse ins Wiki schreibt. In meinem Beispiel lagen zwei Preislisten in den Rohnotizen, eine aktuelle und eine alte. Claude Code hat beide analysiert, verstanden welche die neuere ist, nur die aktuellen Daten übernommen und zusätzlich vermerkt, dass ein Kunde noch mit der alten Liste rechnet und wir das im nächsten Termin klären sollten.
Bleibt die Navigation, und die läuft über eine CLAUDE.md. Diese Datei ist für Claude etwas Besonderes, sie funktioniert wie ein Systemprompt. Sobald sie in deinem Ordner liegt, wissen alle Claude-Modelle, dass sie diese Datei als Erstes lesen müssen. Damit ist sie die perfekte Betriebsanleitung für dein Second Brain: Wofür ist es da, wie ist es aufgebaut, wie werden neue Inhalte eingepflegt, wie sehen Wiki-Seiten aus. Bei ChatGPT und Codex heißt die entsprechende Datei AGENTS.md. Meine ist dort deutlich kürzer, weil ich Codex einfach sage, er soll die CLAUDE.md lesen.
Schritt 3: Das Second Brain aufbauen lassen
Öffne jetzt die Claude-App, wechsle in den Reiter Code und starte oben links eine neue Session. Über "Ordner öffnen" wählst du deinen frisch angelegten Second-Brain-Ordner aus. Ab hier kann Claude Code direkt darin arbeiten.
Der Startpunkt ist eigentlich immer derselbe: Du gibst Claude Code den Link zum originalen LLM-Wiki-Post von Karpathy mit. Damit weiß die KI genau, wie sie dein Second Brain strukturieren soll. Wenn du die Schritte selbst gehen willst, reicht schon ein Satz wie "Ich möchte mir auf Basis von diesem Post ein Second Brain erstellen, bitte führe mich da mal durch". Ich habe zusätzlich einen ausführlichen Prompt vorbereitet, der den Beitrag einliest und dich danach in fünf Etappen durch die Einrichtung führt. Den findest du kostenlos in meinem Download-Hub, nutzen musst du ihn aber nicht.
Vor dem Absenden stellst du "Bearbeitung automatisch akzeptieren" ein und wählst ein starkes Modell mit hohem Denkaufwand. Danach wird es zum Interview. Claude fragt dich, wer du bist und was du beruflich machst, welche drei Ziele du für die nächsten zwölf Monate hast, mit welchen Rollen du regelmäßig zu tun hast und wo dein Wissen aktuell überall herumliegt. Antworte hier ruhig ehrlich. Bei mir war die Antwort auf die letzte Frage sinngemäß: E-Mails in Outlook, ein chaotisches OneNote, zwei Excel-Listen, ein Papiernotizbuch und seit ein paar Monaten ziemlich viele ChatGPT-Chats. Genau dieser Zustand ist der Grund, warum du gerade ein Second Brain baust.
Zum Schluss fragt Claude, welche Daten du direkt mitgeben kannst und ob das Brain Berufliches, Privates oder beides enthalten soll. Antworte hier "beides in getrennten Ordnern". Danach legt die KI los, arbeitet sich durch deine Dateien und ist nach etwa fünf Minuten fertig. Im Ordner findest du dann die CLAUDE.md, den raw-Ordner und den Wiki-Ordner mit den zusammengetragenen Informationen zu Personen, Konzepten und Themen. Mehr Details zu den Einstellungen und Modi findest du in Claude Code richtig nutzen.
Schritt 4: Das Second Brain in Obsidian öffnen
Wenn du dein Second Brain als Graf sehen willst, also als dieses Netz aus Knoten und Linien, brauchst du Obsidian. Die App ist kostenlos, du lädst sie herunter und öffnest sie. Dann gehst du auf Datei und "Open Vault". Wichtig: Du erstellst hier keinen neuen Vault, sondern wählst "Ordner als Vault öffnen" und navigierst zu deinem Second Brain. Ich öffne dabei nur den beruflichen Unterordner.
Links siehst du jetzt genau die Struktur aus dem Dateiexplorer. Mit Strg+G beziehungsweise Cmd+G auf dem Mac blendest du den Grafen ein. Am Anfang ist der noch klein, das ist völlig normal. Er wächst mit jeder Datei, die dazukommt.
Schritt 5: Testen und am Leben halten
Mach jetzt den Test. Starte in Claude Code einen neuen Chat, füge diesmal nur den beruflichen Ordner hinzu und frag: "Was sind gerade meine drei wichtigsten Prioritäten und was ist bei jeder der nächste Schritt?" Bei mir hat das ungefähr 20 Sekunden gedauert, und die Antwort kam mit Quellenangabe, also mit den konkreten Dateien, aus denen die Prioritäten abgeleitet wurden.
Viele haben an dieser Stelle die Sorge, dass ein Second Brain das Kontingent schneller aufbraucht. Meine Erfahrung ist das Gegenteil. Du verbrauchst eher weniger Token, weil du weniger Rückfragen stellen musst und die KI sehr effizient durch die Indexdateien navigiert. Was dein Kontingent wirklich frisst, sind endlose Chats, weil bei jeder Antwort die gesamte Historie mitgelesen wird.
Damit hast du die Einrichtung geschafft. Der eigentliche Wert entsteht jetzt durch die Pflege, und dafür habe ich dir die wichtigsten Handgriffe in Second Brain pflegen zusammengeschrieben. Wenn du bei Claude Code selbst noch unsicher bist, hilft dir vorher Claude Code für Anfänger weiter.