Jonas Keil
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Jonas Keil Jonas Keil 5 Min. Lesezeit

KI-Quereinstieg: Was ich heute anders machen würde

Vor rund zwei Jahren habe ich ein sicheres Übernahmeangebot von SAP abgelehnt und mich selbstständig gemacht. Heute lebe ich davon, anderen KI beizubringen. Mein KI-Quereinstieg hat also funktioniert, aber er war härter und langsamer, als er hätte sein müssen. In diesem Artikel teile ich fünf Lektionen aus dieser Zeit: was ich wieder genauso machen würde und was ich mir heute sparen würde. Die ganze Geschichte dahinter findest du in Von SAP zum KI-Creator.

Lektion 1: Verfolge zuerst, was schon Umsatz bringt

Mein größter Fehler nach dem SAP-Ausstieg: Ich habe ein halbes Jahr lang Ideen verfolgt, für die es keinen einzigen Kunden gab. Ich wollte zum Beispiel eine KI-Lern-App entwickeln. Irgendwann habe ich realisiert: Selbst wenn die App fertig wird, wie soll ich Käufer dafür finden? Also nächste Idee, nächster Anlauf, wieder gegen die Wand. Dazu lief im Hinterkopf ständig der Gedanke mit: Wenn ich jetzt bei SAP arbeiten würde, hätte ich all diese Probleme gar nicht. Mit leerem Konto und 250 € Kindergeld im Monat zermürbt dich diese Schleife ziemlich schnell.

Rausgeholt hat mich der Rat eines Unternehmers aus meiner Gegend, der ein kleines Planungsbüro führt: Versuch nicht, etwas zu entwickeln, von dem du nicht weißt, ob es was wird, nur um auf den großen Exit zu hoffen. Verfolg erstmal, womit du schon Umsatz machst.

Bei mir war das ausgerechnet mein alter YouTube-Kanal. Der war durch Java-Tutorials in drei Jahren ohne ein einziges neues Video von 400 auf 14.000 Abonnenten gewachsen und brachte etwa 100 € im Monat. Lange hatte ich mich vor dem Themenwechsel zu KI gedrückt, aus Angst, genau diese 100 € zu verlieren. Klingt nach nichts. Aber es war der Beweis, dass da echte Nachfrage existiert, und genau darauf habe ich dann aufgebaut.

Zwei Wege nach dem Ausstieg: Ideen ohne Käufer führten zum Tiefpunkt, der Kanal mit vorhandenem Umsatz plus Beratung auf fast 90.000 Abonnenten Was ich zuerst versucht habe Idee ohne Käufer Monatelang entwickeln Auf den Exit hoffen Tiefpunkt Was funktioniert hat Kanal mit 100 € Umsatz Beratung geholt Content-Switch zu KI ~90.000 Abos

Lektion 2: Hol dir Beratung, bevor du Fehler sammelst

Der zweite Teil des Rats war: Lass dich gut beraten. Ich habe damals praktisch mein ganzes restliches Geld in eine Beratung gesteckt, um den Content-Switch von Java auf KI richtig zu machen. Klingt riskant, war aber die beste Investition dieser Phase. Sie hat mir viele Anfängerfehler erspart, und der Kanal ist danach in gut einem Jahr von 14.000 auf fast 90.000 Abonnenten gewachsen.

Würde ich heute nochmal quer einsteigen, würde ich viel früher mit Leuten sprechen, die den Weg schon gegangen sind. Allein hätte ich viele dieser Fehler erst nach Monaten bemerkt, wenn überhaupt.

Lektion 3: Sprich die Leute direkt an

Schon im Studium hat mir eine einzige mutige Aktion mehr gebracht als jede höfliche Anfrage. Für meine Bachelorarbeit über ein KI-Thema hatte mir jede angefragte Abteilung abgesagt, angeblich fehlte überall die Kapazität. Am Ende habe ich in der Mittagspause den damaligen Chief AI Officer von SAP angesprochen und ihn einfach gefragt, ob er mir weiterhelfen kann. Er meinte nur: „Cooles Thema, ich kümmere mich darum." Kurz darauf hatte ich einen Platz in einer Abteilung, die mich vorher abgelehnt hatte.

Diese Lektion nehme ich bis heute mit. Wer dir wirklich helfen kann, erfährt oft gar nicht, dass du Hilfe brauchst, solange du nur offizielle Wege gehst. Frag direkt. Schlimmer als ein Nein wird es selten.

Lektion 4: Rechne mit einem langen Atem

Mein 25. Java-Tutorial hatte 20 Stunden nach dem Upload sechs Aufrufe. Das war eins meiner besseren Videos. Wer beim KI-Quereinstieg erwartet, dass nach drei Monaten alles läuft, wird ziemlich sicher enttäuscht.

Gleichzeitig zahlt sich die Arbeit oft später aus, als man denkt. Meine rund 50 Java-Tutorials wirkten damals wie verschenkte Zeit. Tatsächlich haben sie den Kanal über Jahre passiv wachsen lassen, während ich studiert habe. Ohne dieses Fundament hätte es den Neustart mit KI so nie gegeben.

Lektion 5: Halte dir einen Rückweg offen und spring trotzdem

Ich bin nach dem Bachelor zurück ins Elternhaus gezogen und habe mich in einen Master eingeschrieben, während ich die Selbstständigkeit aufgebaut habe. Trotzdem gab es Momente, in denen meine Eltern mir Aushilfsjobs vorgeschlagen haben, an der Netto-Kasse oder in der Wasserwirtschaft bei meinem Papa. Das war gut gemeint, hat sich aber angefühlt, als würden sie nicht an meinen Plan glauben. Solche Momente kommen. Ein offener Rückweg nimmt ihnen die Panik, ohne dass du ihn sofort nehmen musst.

Mein Rat, wenn du einen Traum hast und unsicher bist, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist: Probier es aus. Mir wäre Scheitern damals lieber gewesen, als es nie versucht zu haben.

Womit du konkret anfangen kannst

Für den Quereinstieg musst du nicht kündigen. Der erste Schritt ist, KI wirklich zu verstehen und jeden Tag damit zu arbeiten, egal ob du später eigene Projekte umsetzen oder einfach im Job vorne dabei sein willst. Ich bin überzeugt, dass KI eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts ist und jeder sie beherrschen sollte.

Fang bei den Grundlagen an, zum Beispiel mit dem ChatGPT-Grundkurs. Und wenn du verstehen willst, wohin die Reise gerade geht, lies, was ein KI-Agent ist. Mein Weg war chaotischer, als er von außen aussieht. Wenn du diese fünf Lektionen mitnimmst, sparst du dir einen Teil davon.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.