Jonas Keil
KI-Kompass →
Jonas Keil
KI-Kompass →
← Alle Artikel
Jonas Keil Jonas Keil 7 Min. Lesezeit

ChatGPT Grundkurs: In 5 Stufen vom Beginner zum Profi

ChatGPT Grundkurs: In 5 Stufen vom Beginner zum Profi – YouTube Video

Fast jeder hat schon mal ChatGPT geöffnet, aber die wenigsten holen wirklich etwas aus dem Tool heraus. Dieser ChatGPT Grundkurs bringt dich in fünf Stufen vom allerersten Prompt bis zu den Funktionen, die viele Nutzer nie anklicken. Ich habe mich die letzten Jahre intensiv mit KI-Modellen beschäftigt und dazu unterrichtet. Du brauchst kein Vorwissen, und falls du schon welches hast, steigst du einfach bei der passenden Stufe ein.

Die fünf Stufen des ChatGPT Grundkurses von der Anmeldung bis zu den Werkzeugen1Anmelden und erster PromptKonto auf chatgpt.com anlegen und die erste Frage in die Textbox schreiben2Bessere Prompts schreibenZiel genau beschreiben und das Ausgabeformat vorgeben3Anwendungsfälle im AlltagListen, Brainstorming, Vergleiche, Übersetzungen und Lernen4Dateien hochladenPDFs, Screenshots und Excel-Tabellen analysieren und erstellen lassen5Werkzeuge nutzenDiktierfunktion, Sprachmodus, temporärer Chat und Bilder

Stufe 1: Anmelden und der erste Prompt

Alles beginnt auf chatgpt.com. Dort klickst du oben rechts auf "Kostenlos registrieren". Am unkompliziertesten meldest du dich mit deinem Google-Konto an, falls du eins hast.

Deine erste Frage schreibst du direkt in die Textbox in der Mitte. Für den Einstieg empfehle ich diesen Prompt: "Fasse mir die wichtigsten Ereignisse des Jahres zusammen, in dem ich geboren wurde. Das Jahr ist 1972." Setz natürlich dein eigenes Geburtsjahr ein und schick das Ganze mit dem Pfeil-Symbol ab, oder drück einfach Enter.

Der Name verrät schon, was ChatGPT von einer Suchmaschine unterscheidet: Du chattest. Wenn dir die Antwort zu breit ist, hakst du nach, zum Beispiel mit "Ich will nur Ereignisse, die in Deutschland passiert sind." ChatGPT hängt die neue Antwort an das Gespräch an und behält den Zusammenhang.

So ein Gespräch heißt Chat, und daraus folgt meine wichtigste Gewohnheit für den Anfang: Starte für jedes neue Thema einen neuen Chat. Dafür öffnest du links die Seitenleiste und klickst auf "Neuer Chat". Alte Chats gehen dabei nicht verloren, du findest sie jederzeit links unter dem Menüpunkt "Chats".

Stufe 2: Bessere Prompts schreiben

Viele denken, es sei egal, wie sie ihre Frage formulieren. ChatGPT versteht mich schon, also spare ich mir die Mühe. In der Informatik gibt es dazu einen Spruch: Garbage in, garbage out. Wer Müll eingibt, bekommt Müll zurück. Zwei Dinge machen deine Prompts sofort besser.

Beschreibe dein Ziel so genau wie möglich

Behandle ChatGPT wie einen Mitarbeiter an seinem allerersten Arbeitstag. "Schreibe eine E-Mail an meinen Chef, dass ich von zu Hause arbeiten will" liefert eine bestenfalls mittelmäßige E-Mail. Woher soll das Modell auch wissen, worum es dir wirklich geht?

Konkreter klappt es deutlich besser: "Schreibe eine kurze, freundliche E-Mail an meinen Chef, in der ich darum bitte, an zwei Tagen pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Führe an, wie das meine Produktivität steigert und warum es keine negativen Auswirkungen auf die Teamkommunikation hat." Das Ergebnis kannst du fast unverändert abschicken.

Dasselbe gilt bei Problemen. Auf "Warum funktioniert mein Drucker nicht?" kann ChatGPT nur raten oder nachfragen. Mit "Mein HP LaserJet druckt seit gestern nicht mehr, ich nutze macOS, der Drucker ist per WLAN verbunden, hier ist der Fehlercode" bekommst du eine Lösung, die genau auf dein Problem passt. Wenn du nur eine Sache aus diesem Grundkurs mitnimmst, dann bitte diese.

Gib das Ausgabeformat vor

Der zweite Hebel wird noch häufiger übersehen. Überleg dir vor dem Abschicken, in welcher Form du die Information brauchst, und schreib das ans Ende deines Prompts.

Angenommen, du sollst in deinem Unternehmen ein CRM-System einführen. "Vergleiche drei CRM-Systeme, die für kleine Unternehmen geeignet sind" liefert einen langen Fließtext mit allgemeinen Infos. Ergänzt du "Erstelle eine Vergleichsmatrix mit den wichtigsten Kriterien, Skala 1 bis 5", bekommst du eine übersichtliche Tabelle, mit der du theoretisch direkt ins nächste Meeting gehen könntest. Du willst es kürzer? Dann schreib "Gib mir zu jedem System nur einen kurzen Stichpunkt".

Wissensgrenzen und Online-Suche

Jedes ChatGPT-Modell wurde nur bis zu einem bestimmten Datum trainiert. Für GPT-5 ist das laut OpenAI der 30. September 2024. Alles, was danach passiert ist, kennt das Modell schlicht nicht.

Gefährlich wird das, wenn ChatGPT die Lücke mit einer erfundenen Antwort füllt. Das nennt sich Halluzination. Als ich das Modell ohne Online-Suche nach dem Erscheinungsdatum von GPT-5 gefragt habe, nannte es mir völlig überzeugt ein falsches Datum. Richtig wäre der 7. August 2025 gewesen.

Inzwischen erkennen die Modelle aber meistens selbst, wenn ihnen Wissen fehlt, und starten dann automatisch eine Online-Suche. Du kannst ChatGPT auch direkt bitten, etwas für dich zu recherchieren. Für manche Fragen nutze ich das sogar lieber als Google, weil es in Sekunden mehr Artikel durchliest, als ich in einer Stunde schaffe. Frag zum Beispiel: "Prüfe, ob es im nächsten Jahr neue Datenschutzrichtlinien für KMUs gibt." Unter der Antwort listet ChatGPT alle Quellen auf, die es durchsucht hat.

Stufe 3: Fünf Anwendungsfälle, die ich täglich nutze

Was fängst du jetzt konkret damit an? Es gibt tausende Möglichkeiten, aber diese fünf greifen mir im Alltag am meisten unter die Arme.

Erstens Listen erstellen. "Ich will Gewicht verlieren, gib mir die Top 10 Lebensmittel, die ich dafür essen kann." So verschaffst du dir in Sekunden einen Überblick über ein neues Thema. Nimm die Antworten trotzdem nicht für bare Münze, sondern hake nach, wenn du skeptisch bist. Auf Wunsch begründet ChatGPT seine Aussagen mit wissenschaftlichen Studien.

Zweitens Brainstorming. Deine Tochter wird 23 und liebt Tennis und Volleyball? "Bitte gib mir fünf konkrete Geschenkideen für etwa 50 Euro" liefert Vorschläge, die genau auf die Situation passen. Je genauer du wirst, desto brauchbarer werden die Ideen.

Drittens Vergleichen. Ob Produkte, Reiseziele oder Entscheidungen, ChatGPT kann fast alles gegenüberstellen. "Vergleiche das iPhone 16 Pro mit dem Samsung Galaxy S25 Ultra, mich interessieren nur Leistung, Akku und Preis" ergibt eine Tabelle mit genau deinen Kriterien.

Viertens Übersetzungen. ChatGPT spricht über 50 Sprachen fließend und wechselt nahtlos zwischen ihnen. Der Vorteil gegenüber klassischen Übersetzern: Du kannst nachjustieren, etwa mit "Bitte formuliere es höflicher" oder "Erkläre mir, was die einzelnen Wörter bedeuten". Gerade beim Sprachenlernen ist das Gold wert.

Fünftens Lernen. Lass dir einen Lernplan für Excel erstellen und nutze ChatGPT danach als Coach: "Ich kenne die Summenfunktion noch nicht. Erkläre sie mir kurz und gib mir eine Übungsaufgabe." Die Schwierigkeit passt du jederzeit an dein Niveau an.

Stufe 4: Dateien hochladen und analysieren lassen

Hier wird ChatGPT vom Chatbot zum echten Arbeitswerkzeug. Über das Plus-Symbol links in der Textbox lädst du unter "Fotos und Dateien hinzufügen" PDFs, Bilder oder Tabellen direkt in den Chat.

Ein Beispiel, das mich immer wieder beeindruckt: Ich habe den Jahresbericht von Volkswagen als PDF hochgeladen und ChatGPT gebeten, ihn schrittweise zu analysieren und daraus abzuleiten, wie sich der Konzern entwickelt. Kurz darauf hatte ich eine umfassende Analyse, zu der ich beliebig weiterfragen konnte.

Mit Screenshots funktioniert das genauso. Ich habe ChatGPT ein Foto meiner Kameraeinstellungen geschickt und gefragt, ob sie für meine Sony Alpha 6300 passen. Es hat die Werte direkt vom Bild abgelesen und mir eine Einschätzung gegeben. Auch Excel-Dateien erstellt ChatGPT auf Zuruf, etwa eine Urlaubsplanung für zehn Mitarbeiter inklusive Zählung der Urlaubstage. Und aus deinem Lebenslauf plus dem Link zu einer Stellenausschreibung wird ein Anschreiben, das ChatGPT auf Wunsch als Word-Dokument speichert. Perfekt ist so ein Dokument nicht immer, aber als erste Fassung eine solide Basis.

Eine Sache noch: Lade keine unternehmensinternen Daten hoch. Das gilt für alle Beispiele in diesem Kurs.

Stufe 5: Die Werkzeuge rund um die Textbox

Die letzte Stufe sind die kleinen Symbole rund um die Chatbox, die viele nie anklicken.

Das Mikrofon rechts ist die Diktierfunktion. Du sprichst deine Frage ein und ChatGPT schreibt sie mit, selbst englische Fachbegriffe landen korrekt im Text. Genau deshalb mache ich inzwischen rund 70 Prozent meiner Eingaben so.

Daneben sitzt der Sprachmodus, mit dem du ein echtes Gespräch führst wie am Telefon, praktisch beim Spaziergang oder auf dem Weg zur Arbeit. Der temporäre Chat wiederum taucht nicht in deinem Verlauf auf und wird nicht fürs Training verwendet, ideal zum schnellen Nachschlagen. Und über "Bild erstellen" generierst du eigene Bilder. Alle diese Werkzeuge nehme ich im Artikel über die ChatGPT-Funktionen im Überblick genauer auseinander.

Dein nächster Schritt

Am meisten lernst du, wenn du nach jeder Stufe kurz pausierst und selbst ausprobierst. Meine Challenge an dich: Gib ChatGPT eine Aufgabe, die du schon länger vor dir herschiebst, und wende die Prompt-Tipps aus Stufe 2 an. Danach lohnt sich ein Blick auf die ChatGPT-Tricks, die auf diesem Grundkurs aufbauen. Und falls du wissen willst, wie sich ChatGPT gegen die Konkurrenz schlägt, findest du die Antwort im Vergleich Claude vs. ChatGPT.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.