Jonas Keil
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Jonas Keil Jonas Keil 6 Min. Lesezeit

Was ist Hermes AI? Der selbstlernende KI-Agent erklärt

Stell dir eine KI vor, die sich an alles erinnert, was du mit ihr besprichst, die auf dich zugeschnitten ist und mit jedem Gespräch besser wird. Genau das verspricht Hermes AI, ein neuer Open-Source-Agent von Nous Research. Personalisierte KI klingt erstmal nach Marketing, war in der Praxis aber bisher so gut wie ungelöst. In diesem Artikel erkläre ich dir, was hinter Hermes steckt, wie der eingebaute Lernzyklus funktioniert und ob das Tool den Hype verdient.

Die kurze Antwort

Hermes AI (offiziell: Hermes Agent) ist ein KI-Agent, der aus Erfahrung lernt. Er merkt sich automatisch, was er über dich und deine Aufgaben herausfindet, und schreibt sich eigene Anleitungen für Dinge, die er einmal gelöst hat. Beim nächsten Mal ist er dadurch schneller und günstiger.

Falls dir der Begriff noch nichts sagt: Ein KI-Agent ist eine KI, die nicht nur antwortet, sondern selbstständig Aufgaben erledigt. Die Grundlagen dazu findest du im Artikel Was ist ein KI-Agent?.

Zwei Dinge machen Hermes besonders. Erstens der Lernzyklus aus Gedächtnis und Skills, dazu gleich mehr. Zweitens ist das Ganze Open Source: Du kannst Hermes auf deinem eigenen Server laufen lassen und zum Beispiel über Telegram mit ihm schreiben.

Der Hype in Zahlen

Hermes ist erst seit gut zehn Wochen draußen und kommt auf GitHub trotzdem schon auf über 130.000 Sterne. Das Interesse ist also enorm, manche nennen es bereits den OpenClaw-Killer.

Nous Research selbst schreibt, Hermes sei der einzige Agent mit integriertem Lernzyklus. Das ist ehrlich gesagt etwas dick aufgetragen, andere KI-Agenten arbeiten auch mit Skills und Memory. Man kann aber zurecht sagen, dass Hermes beides am erfolgreichsten zu einem Gesamtsystem verbindet. Und genau dieser Lernzyklus ist das Herzstück. Wenn du seine zwei Bausteine verstehst, verstehst du auch, was Hermes von anderen Agenten unterscheidet.

Baustein 1: Das Gedächtnis mit zwei Dateien und einem Kurator

Hermes speichert Informationen standardmäßig in nur zwei Dateien. In der memory.md landet alles über seine Umgebung, Konventionen, die er einhalten soll, und Dinge, die er generell gelernt hat. Die user.md speichert dein Nutzerprofil: welchen Kommunikationsstil du bevorzugst, welche Erwartungen und Vorlieben du hast.

Der Trick: Beide Dateien haben eine feste Maximalgröße. Die memory.md darf höchstens 800 Token groß werden, die user.md höchstens 500. Hermes kann seine Erinnerungen also nicht beliebig anhäufen. Sind die Dateien voll und er will sich etwas Neues merken, muss er entscheiden, welche alte Erinnerung dafür fliegt. Qualität statt Quantität, und ganz nebenbei spart das Kosten, weil das Kontextfenster nicht zugemüllt wird.

Das Schöne daran: Du musst nie sagen "bitte merk dir das". Hermes scannt jede Nachricht automatisch und entscheidet selbst, ob etwas wichtig genug ist.

Dazu kommt der sogenannte Kurator. Der läuft alle sieben Tage im Hintergrund, liest die Memory-Dateien durch, bewertet, was noch wichtig ist, und konsolidiert den Rest. Stell dir ein Notizbuch mit begrenzter Seitenzahl vor: Ist es voll, musst du für neue Notizen alte ausradieren. Und einmal pro Woche kommt jemand vorbei, liest alles durch und überträgt nur das Wichtige in ein frisches Notizbuch.

Verloren geht trotzdem nichts. Alle vergangenen Chats speichert Hermes zusätzlich in einer SQLite-Datenbank, auf die er bei Bedarf wieder zugreifen kann.

Der Lernzyklus von Hermes: links das Gedächtnis mit memory.md, user.md und dem Kurator, rechts der Kreislauf, in dem Hermes aus gelösten Aufgaben eigene Skills erstellt Gedächtnis memory.md (max. 800 Token) Umgebung, Regeln, Gelerntes user.md (max. 500 Token) Dein Profil, Stil, Vorlieben Kurator (alle 7 Tage) bewertet, konsolidiert, räumt auf Alle Chats zusätzlich in einer SQLite-Datenbank archiviert Skills Neue Aufgabe Hermes probiert Wege aus Lösung gefunden Hermes schreibt sich einen Skill Gleiche Aufgabe später deutlich schneller und günstiger Geladen wird nur, was für die aktuelle Aufgabe relevant ist

Baustein 2: Skills, die Hermes selbst schreibt

Ein Skill ist im Kern ein Rezept: eine Anleitung in Textform, die dem Agenten sagt, wie er eine bestimmte Aufgabe angeht. So wie du beim Apfelkuchen erst ins Rezept schaust, schaut ein KI-Agent in seinen Skill, bevor er zum Beispiel mit Word arbeitet oder ein PDF erstellt.

Das Besondere an Hermes: Er erstellt sich solche Skills selbstständig, während er arbeitet. Das passiert automatisch, nachdem er eine komplexe Aufgabe mit mehreren Schritten erledigt hat, nachdem er erst auf einen Fehler gestoßen ist und dann den richtigen Weg gefunden hat, wenn du seinen Ansatz korrigiert hast oder generell nach einem nicht trivialen Ablauf.

In der Praxis heißt das: Hermes kann an einer kniffligen Aufgabe 30 Minuten sitzen, weil er mehrere Wege ausprobieren muss. Hat er die Lösung gefunden, schreibt er sich dazu einen Skill und erledigt dieselbe Aufgabe beim nächsten Mal vielleicht in fünf Minuten. Das spart Zeit und vor allem Geld, weil er keine Token mehr damit verschwendet, auf Abwegen zu arbeiten.

Und keine Sorge wegen der Menge: Ob dein Agent 50 oder 500 Skills hat, macht bei den Kosten kaum einen Unterschied. Er lädt immer nur die Skills, die für die aktuelle Aufgabe relevant sind.

Deine Daten bleiben bei dir

Hermes ist Open Source und läuft auf deiner eigenen Infrastruktur, etwa einem günstigen VPS, einem GPU-Cluster oder einer Serverless-Umgebung. Im Leerlauf verursacht das fast keine Kosten. Und weil der Agent nicht an deinen Laptop gebunden ist, kannst du über Telegram mit ihm schreiben, während er auf einer Cloud-VM läuft.

Das finde ich persönlich extrem stark. Wenn ich mit Claude oder ChatGPT chatte, versuche ich immer eine Balance zu halten: Ich will, dass die KI mir persönlich weiterhilft, aber ich will nicht, dass ein komplettes Nutzerprofil von mir entsteht. Bei einem selbst gehosteten Agenten stellt sich die Frage nicht. Du kontrollierst selbst, was mit deinen Daten passiert.

Ein ehrlicher Hinweis noch: Das Sprachmodell, also das Gehirn hinter Hermes, ist beim Einstieg meist trotzdem ChatGPT oder ein anderes kommerzielles Modell, weil die Leistung dort aktuell am besten ist. Deine Anfragen laufen dann im Hintergrund über diesen Anbieter. Das Modell lässt sich aber später gegen ein selbst gehostetes Open-Source-Modell austauschen, ohne dass du dein Setup neu aufbauen musst.

Hermes, OpenClaw oder Claude Code?

Was ich nach dem ersten Ausprobieren sagen kann: Mit Hermes zu chatten fühlt sich deutlich leichtgewichtiger an als mit OpenClaw oder Claude Code. Ob das am Kontextmanagement liegt oder an einem besseren Systemprompt, kann ich dir ehrlicherweise nicht beantworten. Es fühlt sich einfach angenehm an.

Ich war nie zu 100 Prozent von OpenClaw überzeugt. Hermes dagegen hat mich wirklich beeindruckt, und ich werde die nächsten Wochen tiefer damit arbeiten. Falls du eher aus der Claude-Welt kommst: Was Claude Code als Agent ausmacht, habe ich in Was ist Claude Code? beschrieben, das ist ein guter Vergleichspunkt.

Lohnt sich Hermes für dich?

Wenn du einen persönlichen Assistenten willst, der dich mit der Zeit wirklich kennenlernt, und dir gleichzeitig Datenschutz wichtig ist, dann ist Hermes im Moment eine der spannendsten Optionen. Du brauchst dafür keinen Technik-Hintergrund, nur etwas Geduld beim Einrichten.

Wie das konkret geht, zeige ich dir Schritt für Schritt in der Hermes-AI-Anleitung: vom Server über die Telegram-Anbindung bis zu deiner ersten eigenen Automatisierung.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.