Jonas Keil
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Jonas Keil Jonas Keil 5 Min. Lesezeit

Claude Skills: 5 Beispiele, die täglich Zeit sparen

Es gibt inzwischen Hunderte Claude Skills, und die allermeisten davon wirst du nie brauchen. Bei mir haben sich fünf durchgesetzt, die ich fast täglich benutze. Diese Claude Skills Beispiele sind keine Spielerei, sondern die Anleitungen, die bei mir am meisten Nacharbeit sparen. Ich gehe sie der Reihe nach durch und sage dir jeweils dazu, für welche Situation sich der Skill wirklich lohnt.

Falls Skills für dich noch neu sind: Was sind Claude Skills? erklärt das Prinzip in wenigen Minuten.

1. Grille mich: erst fragen, dann arbeiten

Das ist wahrscheinlich der bekannteste Skill überhaupt. Im Original heißt er Grill me und ist auf Englisch, deshalb habe ich mir eine deutsche Version unter dem Namen "Grille mich" gebaut.

Der Skill macht genau eine Sache: Er hindert Claude daran, sofort loszulegen. Stattdessen stellt er dir erst gezielte Fragen, bis wirklich klar ist, was du eigentlich brauchst.

Ich habe das mit einem kleinen Tool getestet, das aus Kaufverträgen automatisch Rechnungen erzeugen soll. Der Auftrag dafür war absichtlich schwammig formuliert, so wie man das im Alltag eben schnell hinschreibt. Claude hat daraufhin neun Fragen gestellt und zu jeder Frage gleich einen Vorschlag mitgeliefert, den man übernehmen kann. Ich beantworte solche Fragenrunden am liebsten über die Diktierfunktion, das geht deutlich schneller als tippen.

Danach kam noch eine zweite Runde mit Rückfragen, die auf meinen Antworten aufbaute. Eine davon fand ich richtig gut: ob vor dem Erzeugen der Rechnung noch ein Prüfschritt kommen soll, in dem alle Werte in einer Tabelle stehen. Auf die Idee wäre ich selbst nicht gekommen.

Das fertige Tool lief beim ersten Versuch. Kaufvertrag reinziehen, Prüfung erscheint sofort, Rechnung erzeugen, Download. Bei einem zweiten Dokument hat es korrekt erkannt, dass daraus drei Rechnungen entstehen müssen, jeweils mit fortlaufender Nummer. Nichts davon habe ich nachträglich angepasst.

Ein schlechtes Ergebnis hinterher zu reparieren, ist fast immer mühsamer, als die Aufgabe am Anfang sauber zu klären. Du brauchst mit diesem Skill vorne also mehr Zeit und sparst hinten deutlich mehr.

2. Skill Creator: der Skill, der Skills baut

Der grundlegendste von allen. Mit dem Skill Creator erstellst du eigene Skills, ohne dich mit dem technischen Drumherum zu beschäftigen. Du beschreibst im Chat, was du brauchst, und er legt die Anleitung an.

Mein Beispiel: Claude kam bei Recherchen ständig nicht auf den Punkt. Lange Antworten, viele Quellen, wenig Substanz. Also habe ich geschrieben: "Erstelle einen Skill kurz nachschlagen, der meine Frage mit Primärquellen beantwortet und das Ergebnis sofort auf den Punkt bringt."

Eine Minute später lag der Vorschlag da, ein Klick auf Speichern, fertig. Im Test habe ich dann nach der E-Rechnungspflicht für einen Betrieb mit fünfzehn Mitarbeitern gefragt. Claude hat den Skill von selbst gezogen, nach etwa zwanzig Sekunden geantwortet, vier Fakten aufgelistet und ein Fazit gezogen.

Praktisch wird es danach. Wenn dir das Format nicht passt, sagst du es einfach im selben Chat: "Passe den Skill so an, dass er zwei kurze Absätze erstellt." Der Skill Creator nimmt sich den bestehenden Skill vor und ändert ihn. So gehe ich mit allen meinen Skills um. Funktioniert er für meinen Ablauf? Wenn nicht, wird er angepasst statt weggeworfen. Der ausführliche Weg dazu steht in Claude Skills erstellen.

3. Meeting-Notizen: aus Transkript wird Protokoll

Dieser Skill verwandelt ein rohes Meeting-Transkript in brauchbare Notizen. Du lädst das Transkript hoch, aktivierst den Skill, schickst ab. Zurück bekommst du die getroffenen Entscheidungen, die offenen Aufgaben, die ungeklärten Punkte, die besprochenen Themen und Zitate, mit denen du weiterarbeiten kannst.

Wer regelmäßig in Besprechungen sitzt, spart damit jede Woche Stunden. Der eigentlich interessante Teil ist aber eine Sonderfunktion.

Arbeitest du in einem KI-Agenten wie Claude Cowork, ChatGPT Work oder Claude Code und fügst statt der einzelnen Datei den ganzen Ordner hinzu, erkennt der Skill, dass er lokal auf die Datei zugreifen kann. Er fragt dann nach, ob ein kleines lokales KI-Modell die personenbezogenen Daten aus dem Transkript entfernen soll, bevor Claude sie überhaupt sieht. Claude arbeitet danach nur mit Platzhaltern, und die echten Daten werden am Ende automatisch wieder eingesetzt.

Ein ehrlicher Hinweis dazu: In Claude Cowork hat das bei mir nicht sauber funktioniert, weil Cowork in einer separaten virtuellen Maschine läuft. Wenn du diese Pseudonymisierung nutzen willst, nimm dafür besser Claude Code. Die Notizen selbst entstehen in beiden Fällen.

4. Kein Slop: Texte, die nach dir klingen

Man merkt einem Text sofort an, wenn eine KI ihn geschrieben hat. Wikipedia hat dazu sogar einen eigenen Artikel, in dem die typischen Merkmale gesammelt sind. Die übertriebene Verwendung von Gedankenstrichen zum Beispiel. Oder negative Parallelismen, also dieses "nicht nur X, sondern auch Y", das kaum jemand bewusst wahrnimmt und trotzdem nervt.

Es gibt schon einige Skills gegen dieses Problem, etwa Humanizer oder Unslop. Meine Erfahrung damit ist durchwachsen. Sie sind auf englische Texte ausgerichtet, und selbst mit ihnen klingt ein Text am Ende nicht nach dir. Er klingt nur allgemein statt schlecht.

Deshalb habe ich einen eigenen Skill gebaut, der auf Deutsch ausgerichtet ist, die Merkmale aus dem Wikipedia-Artikel kennt und die Prinzipien der beiden anderen Skills übernimmt. Der Unterschied steckt aber woanders: Beim ersten Start führt dich der Skill durch eine Einrichtung und fragt, woher er deine selbst geschriebenen Texte nehmen soll. Daraus baut er ein Profil davon, wie du schreibst.

Danach lädt er bei jedem Auftrag dieses Stilprofil. Ich habe zum Test einen 500 Wörter langen Newsletter über die KI-Entwicklung seit 1950 schreiben lassen. Das Ergebnis klang tatsächlich nach mir, ohne Gedankenstrich-Inflation und ohne schiefe Metaphern. Perfekt ist danach nicht jeder Text, aber die Grundlage ist eine deutlich bessere.

5. Second Brain: der eigentliche Unterschied

Der fünfte Punkt ist streng genommen kein Skill, und trotzdem der wichtigste. Denn deine Skills können noch so gut sein: Wenn dem KI-Agenten der Kontext fehlt, also das Wissen über dich, deine Arbeit und deine Entscheidungen, stoßen auch die besten Anleitungen an ihre Grenzen.

Ein Second Brain ist nichts weiter als ein Ordner auf deinem Rechner. Darin liegen Notizen, E-Mails, Transkripte, getroffene Entscheidungen, laufende Themen. Eine Dokumentation deiner Arbeit, mit der jeder KI-Agent sofort versteht, woran du gerade sitzt und was schon erledigt ist. Diesen Ordner kannst du an Claude hängen, aber genauso an ChatGPT oder Gemini.

Wie sich das anfühlt, merkst du beim ersten konkreten Auftrag. Ich habe vor einem Termin mit meinem Implementierungspartner gefragt: gib mir den aktuellen Stand aller Kundenprojekte, prüfe im CRM und in den letzten Mails, was die wichtigsten offenen Punkte sind. Claude hat sich das Wissen aus dem Second Brain geholt, die Systeme durchsucht und mir das Briefing zusammengestellt.

Danach habe ich direkt hinterhergeschoben: mach daraus einen Skill, damit ich künftig nur noch /agenturbriefing schreiben muss. Genau das ist passiert. Der Ablauf, der nur dank des Second Brain funktioniert hat, steckt jetzt in einem Skill und läuft vor jedem Termin auf Knopfdruck.

Das Second Brain liefert das Wissen, der Skill den Ablauf. Deshalb sind die beiden zusammen deutlich mehr wert als einzeln. Wenn du damit anfangen willst: Second Brain erstellen zeigt den Aufbau, Second Brain pflegen den Teil danach, den die meisten unterschätzen.

Womit du anfängst

Wenn du nur einen dieser Skills ausprobierst, nimm "Grille mich". Der Effekt ist sofort spürbar und du brauchst keinerlei Vorbereitung dafür. Wie du ihn und die anderen in Claude bekommst, steht in der Anleitung zum Installieren von Claude Skills.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.