Jonas Keil
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Claude Modell wählen: Opus, Sonnet, Haiku und der Aufwand

Welches Claude Modell du auswählst, entscheidet mehr über die Qualität deiner Ergebnisse als fast jede andere Einstellung. Trotzdem wird das Thema in den meisten Anleitungen übersprungen. Wenn mir jemand sagt, Claude liefere nur mittelmäßige Antworten, schaue ich als Erstes nach, welches Modell eingestellt ist. In den meisten Fällen ist es ein altes oder kleines Modell, oder ein neues Modell mit zu niedrigem Aufwand.

In diesem Artikel geht es darum, wie die Modellauswahl in Claude aufgebaut ist, was die Aufwandseinstellung macht und wie ich neue Modelle selbst einordne. Die konkreten Modellnamen werden sich ändern, die Methode zum Einordnen kannst du aber auch beim nächsten Modell noch anwenden.

Wo du das Modell einstellst

In Claude findest du die Modellauswahl rechts unter der Chatleiste. Ein Klick zeigt dir alle Modelle, die dir gerade zur Verfügung stehen. Welche das genau sind, hängt von deinem Plan ab, nicht jeder hat Zugriff auf alle.

Die Liste ist nach Größe sortiert. Ganz oben steht Fable, das größte und leistungsstärkste Modell von Anthropic. Ganz unten steht Haiku, das kleinste Modell mit der geringsten Leistung, dafür aber auch mit den geringsten Kosten. Dazwischen liegen Opus und Sonnet. Von oben nach unten heißt also: vom stärksten und teuersten zum einfachsten und günstigsten.

Die Zahl hinter dem Namen ist die Generation. Aktuell stehen dort Fable 5.1 und Opus 5.5. Opus ist zwar die kleinere Modellklasse, aber gerade ungefähr eine halbe Generation weiter als Fable. Darum lohnt es sich, nicht nur auf die Klasse zu schauen, sondern auch auf die Nummer. Mehr zum Fable-Modell steht in Claude Fable 5 im Überblick.

Was der Aufwand bedeutet

Neben dem Modell hat jedes Claude Modell eine Aufwandseinstellung. Wenn du in der Auswahl über den Punkt Aufwand fährst, kannst du ihn von niedrig bis maximal einstellen.

Der Aufwand beschreibt, wie intensiv das Modell über eine Antwort nachdenkt, bevor es sie dir gibt. Es ist dasselbe Modell, nur mit mehr oder weniger Bedenkzeit. Bei niedrigem Aufwand kommt die Antwort fast sofort. Beim maximalen Aufwand nimmt sich das Modell deutlich mehr Zeit. Das verbraucht spürbar mehr von deinem Kontingent, liefert in der Regel aber auch bessere Ergebnisse.

Für den Anfang reicht es, diese zwei Stellschrauben zu kennen. Es gibt mehrere Modelle, von denen du je nach Plan mehr oder weniger nutzen kannst, und für jedes davon stellst du zusätzlich den Aufwand ein.

So ordne ich neue Modelle ein

Ich will dir nicht einfach eine Kombination vorgeben, weil Modellnummern und vielleicht sogar Modellklassen sich ändern werden. Wichtiger ist, dass du neue Modelle selbst einschätzen kannst.

Dafür nutze ich Seiten, deren einziger Zweck es ist, KI-Modelle zu testen. Der Goldstandard ist für mich Artificial Analysis. Die Firma testet neue KI-Modelle gegen verschiedene Benchmarks und stellt die Ergebnisse übersichtlich dar.

Oben auf der Seite findest du den Punkt Intelligenz. Dort siehst du, welches Modell insgesamt gerade vorne liegt. Zum Zeitpunkt dieses Artikels ist das Opus 5.5. Das kann sich von heute auf morgen ändern, aber du bekommst eine erste Einschätzung.

Spannender ist die Ansicht weiter unten. Dort siehst du die Leistung nicht nur pro Modell, sondern auch pro Aufwandseinstellung, bei Opus 5.5 also zum Beispiel mittel, hoch, sehr hoch und max. Gelesen wird das Diagramm so: Je weiter rechts ein Punkt liegt, desto teurer ist die Einstellung. Die Skala ist logarithmisch. Je weiter oben ein Punkt liegt, desto intelligenter ist das Modell in dieser Einstellung.

Schematische Darstellung: Kosten auf der waagerechten Achse, Intelligenz auf der senkrechten. Modell A gewinnt von sehr hoch zu max noch etwas Intelligenz, Modell B bleibt fast gleich gut und wird nur teurer.Kosten (logarithmisch) →Intelligenz →Modell A: max lohnt sichModell B: max kaum besser,aber deutlich teurermittel max

Die Punkte eines Modells wandern deshalb meistens von unten links nach oben rechts: mit mehr Aufwand intelligenter, aber auch teurer. Interessant ist, wie stark sie ansteigen. Du kannst dir in der Ansicht einzelne Modelle herausfiltern und direkt vergleichen.

Bei Opus 5.5 lohnt sich die Max-Einstellung tatsächlich. Gegenüber "sehr hoch" bekommst du noch einen kleinen Intelligenzschub. Bei einem der aktuellen GPT-Modelle sieht das ganz anders aus: Max ist dort kaum klüger als sehr hoch, verbrennt aber ungefähr doppelt so viel Kontingent. Welcher Aufwand sich lohnt, hängt also vom einzelnen Modell ab, und genau das zeigt dir dieses Diagramm.

Meine Empfehlung für den Alltag

Bei Opus 5.5 empfehle ich dir, standardmäßig mit hohem Aufwand zu arbeiten. Dass Max noch etwas mehr herausholt, hast du im Diagramm gesehen, es kostet aber auch spürbar mehr Kontingent.

Wenn du nur Zugriff auf Sonnet hast, stell dort den sehr hohen Aufwand ein. Kosten und Leistung liegen dann ungefähr auf dem Niveau von Opus 5.5 mit hohem Aufwand.

Und falls du mit Claude unzufrieden bist: Schau nach, ob du nicht aus Versehen auf einem kleinen Modell wie Haiku oder auf niedrigem Aufwand sitzt. Das ist der häufigste Grund, den ich sehe.

Warum sich das Wissen lohnt

Modellauswahl klingt nach Technik-Detail. In der Praxis trennt sie Leute, die mit KI wirklich weiterkommen, von denen, die nach ein paar enttäuschenden Antworten aufgeben. Mein Reflex bei jedem neuen Modell: kurz bei Artificial Analysis nachschauen, das Diagramm lesen und dann selbst entscheiden, ob und mit welchem Aufwand ich umsteige.

Die Modellwahl ist allerdings nur ein Baustein. Wie sie mit Desktop-App, Ordnern, Second Brain und Automationen zusammenspielt, zeige ich in Claude Workflow. Falls du gerade erst mit Claude anfängst, ist Was ist Claude? ein guter Einstieg.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.