Jonas Keil
KI-Kompass →
Jonas Keil
KI-Kompass →
← Alle Artikel
Jonas Keil Jonas Keil 6 Min. Lesezeit

Claude Code Beispiele: 3 Projekte, die du nachbauen kannst

Was kann man mit Claude Code eigentlich bauen? Die Frage höre ich ständig, und die ehrliche Antwort lautet: mehr, als die meisten glauben. In diesem Artikel zeige ich dir drei Claude Code Beispiele aus meiner eigenen Praxis: ein Meeting-Protokoll-Tool, einen PDF-Scanner mit Excel-Export und meine eigene Website. Keins dieser Projekte hat mich eine einzige Zeile Code gekostet.

Das Prinzip dahinter: Aufträge statt Fragen

Bevor wir zu den Beispielen kommen, ein Satz zum Grundprinzip. Dem normalen Claude-Chatbot stellst du Fragen, einem KI-Agenten wie Claude Code gibst du Aufträge. Du beschreibst, was am Ende existieren soll, und der Agent arbeitet so lange, bis es existiert.

Dafür braucht Claude Code immer einen Projektordner auf deinem Rechner, in dem er Dateien anlegen darf. Ich lege für jedes Projekt einen eigenen Unterordner an, damit sich die Projekte nicht in die Quere kommen. Falls du noch nie mit dem Tool gearbeitet hast, starte am besten mit dem kompletten Claude-Code-Einstieg für Anfänger. Dort erkläre ich die Arbeitsmodi, das Kontextfenster und den ersten Auftrag.

Beispiel 1: Meeting-Notizen werden zum fertigen PDF-Protokoll

Mein Auftrag an Claude Code lautete: „Baue mir ein Tool, das Meeting-Notizen mit einer lokalen KI auf meinem Rechner aufbereiten kann und sie dann in eine schöne PDF-Vorlage überträgt." Der Clou daran: keine externen Modelle von Anthropic, OpenAI oder Google, sondern ein Open-Source-Modell, das komplett auf meinem Rechner läuft.

Nach etwa fünf Minuten war das Tool fertig, eine kleine Browser-App mit zwei Hälften. Links füge ich die Rohnotizen ein, rechts erscheint das fertige Protokoll. Als KI hatte Claude das freie GPT-OSS-Modell eingebaut, wahlweise in einer kleineren und einer größeren Variante.

Für den ersten Test habe ich unstrukturierte Notizen eingefügt, wie sie eins zu eins aus einem Meeting stammen könnten, und auf „Protokoll erstellen" gedrückt. Rund eine Minute später hatte ich eine sauber formatierte PDF: die Notizen in Themen gegliedert, die Beschlüsse zusammengefasst, konkrete Action Items aufgelistet und die nächsten Schritte beschrieben. Und weil das Modell lokal lief, haben die Meeting-Daten meinen Rechner nie verlassen.

Ich war ehrlich beeindruckt. Für so ein Tool hättest du vor ein paar Jahren einen talentierten Entwickler und mehrere tausend Euro gebraucht. Heute reicht Claude Code mit einem 17-Dollar-Plan. Stell dir vor, du kommst eine Minute nach dem Meeting mit so einer Zusammenfassung um die Ecke, erstellt komplett lokal auf deinem Rechner.

Beispiel 2: PDF-Scanner, der Rechnungen in Excel überträgt

Für das zweite Projekt habe ich eine neue Session geöffnet und einen frischen Ordner „PDF Scanner" angelegt. Den Auftrag habe ich diesmal eingesprochen statt getippt: „Bitte erstelle ein kleines Programm, das ich im Browser öffnen kann und das mit Mistral OCR PDF-Dateien einliest und in eine Excel-Tabelle umwandelt."

Zwei Begriffe kurz erklärt: Mistral ist der führende europäische Anbieter von KI-Modellen, und OCR ist ein spezielles Modell, das Text aus Bildern und PDF-Dateien extrahiert. Ich hätte Claude Code auch selbst nach einem passenden Modell suchen lassen können, wollte aber genau dieses verwenden. Solche Details im Auftrag zu nennen lohnt sich, denn je konkreter du wirst, desto näher liegt das Ergebnis an deiner Vorstellung.

Nach ungefähr fünf Minuten lag eine index.html in meinem Projektordner. So eine HTML-Datei lässt sich einfach im Browser öffnen, bei mir mit Google Chrome. Ich habe eine Lieferantenrechnung als PDF hineingezogen, auf „Scannen und Excel erstellen" geklickt und konnte zusehen, wie das Tool die einzelnen Schritte abarbeitet: erst das OCR, dann die Struktur, am Ende die Excel-Tabelle. Das Ergebnis war nahezu perfekt. Jede Position der Rechnung stand korrekt in der Tabelle, und als ich die Preise nebeneinandergelegt habe, stimmte alles überein.

Wenn du regelmäßig PDFs einscannst und mit den Daten weiterarbeitest, kannst du dir so eine App exakt auf deinen Workflow zuschneiden. Gib Claude Code ein paar Beispiel-PDFs mit, an denen er sich orientieren kann, und arbeite das Ergebnis so lange mit ihm aus, bis es passt. Das ist eine Sache von 10 bis 20 Minuten, und danach erledigt die App Arbeit, die du vorher mühsam von Hand gemacht hast.

Beispiel 3: Die eigene Website, live im Internet

Das größte der drei Projekte ist meine eigene Website. Die erste Version hat mich insgesamt vielleicht 30 Minuten gekostet, und bei der Qualität ist das eine enorme Zeitersparnis, wenn man bedenkt, wie lange so etwas früher gedauert hätte. Ich bin dabei in mehreren Schritten vorgegangen.

Website-Workflow mit Claude Code in fünf Schritten: Stichpunkte im Claude-Chat sammeln, drei Layouts erstellen lassen, Plan prüfen, Website bauen lassen, über GitHub und Hosting-Server live stellen12345Claude-ChatStichpunkte überdich sammelnClaude Codedrei Layoutserstellen lassenPlan-ModusPlan prüfenund freigebenUmsetzungWebsite lokalbauen lassenLive stellenGitHub undHosting-Server

Zuerst bin ich in den normalen Claude-Chat gegangen und habe Claude gebeten, alles zusammenzufassen, was er über mich weiß und was für eine persönliche Website relevant wäre. Wichtig dabei: nur Stichpunkte, keinen technischen Plan. Der Chatbot kennt zwar den Kontext, ist bei technischen Aspekten aber oft nicht so gut wie Claude Code.

Mit diesen Stichpunkten bin ich zu Claude Code gewechselt, habe einen neuen Ordner „Personal Website" angelegt und mir drei verschiedene Layouts erstellen lassen. Beim Favoriten bin ich in den Plan-Modus gegangen und habe einen Plan ausarbeiten lassen. Das hilft doppelt: Du kannst selbst noch einmal drüberschauen, bevor gebaut wird, und Claude liefert mit Plan die bessere Website.

Nach meiner Freigabe hat Claude Code die Seite gebaut. Für den letzten Schritt habe ich über das Plus den Connector „Claude in Chrome" hinzugefügt und ihm gesagt, er soll sich auf meinem Hosting-Server einloggen und die fertigen Dateien dort hochladen. Er hat sich selbständig durchgeklickt, das Projekt zusätzlich auf GitHub abgelegt und Sicherheitstests durchgeführt. Danach war die Website online.

Das Beste daran ist die Wartung. Will ich heute ein neues Feature, wähle ich den Website-Ordner aus, beschreibe die Änderung, prüfe die lokale Version und bestätige. Claude schiebt sie dann automatisch auf GitHub und auf den Server, und die Website aktualisiert sich. Wie du so ein Projekt Schritt für Schritt selbst umsetzt, zeige ich dir im Artikel Website mit Claude Code erstellen.

Was du für deine eigenen Projekte mitnehmen kannst

Ein paar Dinge haben sich bei all diesen Projekten bewährt. Werde im Auftrag so konkret wie möglich, nenn also das gewünschte Format und ruhig auch das KI-Modell, wenn du eins im Kopf hast. Und fang klein an. Ein Tool, das genau eine nervige Aufgabe übernimmt, ist der beste Einstieg. Falls der erste Wurf nicht sitzt, arbeitest du das Ergebnis einfach im Chat mit Claude aus.

Die drei Beispiele sind außerdem nur ein Ausschnitt. Claude Code sortiert genauso gut Dateien auf deinem Rechner, baut PowerPoints oder füllt Excel-Tabellen. Wenn du direkt loslegen willst: Alle Schritte für die Einrichtung findest du in der Claude-Code-Anleitung für Einsteiger.

Jonas Keil
Jonas Keil Ich zeige dir, wie du KI wirklich für dich nutzt. Jede Woche neu auf YouTube, Schritt für Schritt lernst du alle Essentials im KI-Kompass.